Es war einmal … die Túatha Dé Danann

Mai 9, 2018

Senf zum Mittwoch #23

Und ich erzähle euch heute, wie aus diesem Volk die Sìdhe wurden – die Sìdhe, die in meiner Trilogie der „Geschichtenerzählerin“ so eine große Rolle spielen… Denn nicht nur in meinem Fantasy leben die Sìdhe, das Elfenvolk, unter den Hügeln. Die irisch-keltische Mythologie Irlands erzählt, wie es dazu kam.

Es waren einmal … die Túatha Dé Danann, der Stamm oder das Volk der Göttin Danu – genau, die, von der ich euch vorige Woche schon erzählt habe. So steht es in einem alten mittelalterlichen Sammelwerk von Erzählungen, Gedichten und mythischer Geschichte geschrieben, dem Lebor Gabála Érenn, zu Deutsch: „Das Buch von den Einnahmen Irlands“, das zwischen dem 9. und dem 11. Jahrhundert entstanden ist. Seitdem wird die Sage von diesem Volk und seiner Rolle in Irland immer wieder von Historikern bis in die Geschichtsschreibung der Neuzeit übernommen.

Laut den mittelalterlichen Schriften kamen die Túatha Dé Danann aus dem Norden oder aus Griechenland, wo sie Magie erlernt hatten. Letzte Woche habe ich euch ja erzählt, dass der Sarde Melis davon ausgeht, dass es sich um einen Teil der Flüchtlinge handeln könnte, die während der Hungersnot in Kleinasien um 2000 v.u.Z. nach Irland kamen, ob über dem Norden oder aus Griechenland, beides wäre möglich.

In meinem Fantasy ging ich natürlich davon aus, dass die Sìdhe ein Elfenvolk und Teil der Anderswelt seit je her wären – wie es oft auch in manchen irischen Sagen erzählt wird. Aber gehen wir wieder zurück zu unserer Geschichte von heute von heute: Das erste Mal, als sie in Irland landeten, gerieten die Túatha Dé Danann scheinbar in eine Schlacht mit den Fomóiri, ein sagenhaftes Volk von dunklen, missgestaltigen Wesen, die den Les_erinnen der Geschichtenerzählerin vor allem ab dem zweiten Band ein Begriff sind.

Jedenfalls flüchteten sie und kehrten eines Jahres zu Beltane, am 5. Vollmond des Neuen Jahres rund um den 1. Mai, zurück.

Es heißt, dass sie mit ihren Schiffen von schwarzen Wolken umhüllt auf dem Berg Sliabh-an-Iarainn im County Leitrim angekommen wären – einem Hügel von ca. 900 m Höhe. Sie hätten dabei Magie angewandt, und zwar mit Zauberwolken, den fíth-fáth, mit denen sie imstande waren, drei Tage lang die Sonne zu verdecken. Dann hieß es wieder, sie hätten ihre Schiffe bei der Landung verbrannt und das Feuer kreierte drei Tage lang so einen Nebel …

So oder so – auf diese Weise wurden sie von den inzwischen in Irland herrschenden Firbolg nicht entdeckt, ein Volk, das scheinbar die Rückkehrer derjenigen zu sein schienen, die – wie auch schon die Túatha Dé Danann – von den Fomóiri vorher verjagt worden waren. Die Firbolg verloren die Schlacht und die Túatha Dé Danann ließen die stark dezimierte Zahl dieses Volkes noch in dieser Region leben, aber herrschten ab da viele Jahre über Irland.

Bei der Schlacht verlor König Nuada seinen rechten Arm und legte seine Krone nieder. Breas, ein anderer Mann aus dem Volk, der Fomóiri-Vorfahren hatte, übernahm das Ruder. Unter seinen sieben Jahren der Regierung erging es dem Volke nicht gut. Nuada konnte die Regentschaft wieder übernehmen, als es den Heil_erinnen gelang, seinen Arm wieder nachwachsen zu lassen.

Breas ließ sich das nicht gefallen und bildete mit den Fomóiri, die zwar von den Firbolg unterworfen worden waren, aber eine friedliche Koexistenz geführt hatten, eine Armee und zog gegen König Nuada in die Schlacht. In Moytura im County Sligo wurde die Macht der Fomóiri endgültig beendet – etwas, auf das ich in meinem Fantasy oft Bezug nehme, denn damit wurden die Fomóiri zu den Feinden der Sìdhe. Doch die Schlacht hatte einen großen Preis: Nuada starb. Der Held des Kampfes Lugh wurde zum nächsten König. Die Túatha Dé Danann konnten 197 Jahre lang auf der Insel herrschen.

Die Túatha Dé Danann galten als zivilisiertes und kultiviertes Volk, das neue Fertigkeiten und auch Traditionen auf die Insel brachte. Sie hatten vier „Schätze“, die scheinbar für ihre Magie wichtig waren:

  • den Stein von Fal, auch Stein des Schicksals genannt, der schrie, sobald sich der wahre König von Irland drauf stellte …
  • den Kessel des Dagda, der immer voll Nahrungsmittel war und sich niemals leerte,
  • das Lichtschwert des Nuada, das von keinem Feind bezwungen werden konnte und nur tödliche Hiebe versetzte, und
  • den Speer des Lugh, der sein Ziel nicht verfehlen konnte.

Es war denn auch unter König Dagda, als die Milesier in Irland von Spanien her landeten. Sie schienen vom Reiternomadenvolk der eurasischen Steppen nördlich des Schwarzen Meeres abzustammen. Die Túatha Dé Danann setzten zwar wieder ihre Zauberwolken ein, was vielen Milesiern das Leben kostete, doch ihr mächtiger Druide Amergin konnte ihnen zum Sieg verhelfen. In mehreren Schlachten wurden die Túatha Dé Danann endgültig geschlagen.

Unter der Führung ihres Königs Dagda zogen sie sich in die Sìdhe-Hügel zurück. Während am Anfang nur die Hügel so genannt wurden, bekam schließlich das Volk selbst die Bezeichnung Aes Sídhe, zu Deutsch: Leute aus den Hügeln.

So wurde laut der irisch-keltischen Mythologie aus den Túatha Dé Danann die Sìdhe. Findet ihr diese Sage genauso faszinierend wie ich? Das war jedenfalls mein Senf zum Mittwoch.

2 Antworten auf Es war einmal … die Túatha Dé Danann

  • ja und nochmal ja, sie ist faszinierend. Es ist eine wunderschöne rare Sage, von der wir hier in Mitteleuropa kaum je hören. Vielleicht weil wir uns keine Zeit mehr nehmen, uns über die allgemein bekannten “Heldensagen” hinaus mit den wunderbaren Mythen und Legenden, die regional verwurzelt sind, zu beschäftigen. Nibelungenlied Edda, griechische und römische Sagen, darüber gibt es hinreichend Literatur. Und dank der Brüder Grimm wurden eine Menge (Volks-) Märchen aufgeschrieben. Aber überdauern können all diese Geschichten nur, wenn sie erzählt werden. Immer wieder.
    Ein Grund mehr, sich jede Woche neu auf die “Sage zum Wochenende” zu freuen.

    • Hallo lieber Roger, nicht wahr? Die irischen “Heldensagen” sind im deutschsprachigen Raum so gut wie nicht bekannt, genausowenig wie die Sagenwelt aus meiner Gegend. Ich sehe es wie du: Sie gehören erzählt.
      Und der Wink mit dem Zaunpfahl wieder mal ne “Sage zum Wochenende” zu fabrizieren, ist angekommen 😉 Aber dieses Mal waren einfach die Sìdhe dran.

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