Die Göttin Danu

Mai 2, 2018

Senf zum Mittwoch #22

Heute bin ich spät dran mit dem Senf zum Mittwoch, aber gestern auf dem Schiff war ich zu müde und dann kam ich erst um halb sechs Uhr früh daheim an. Mein Plan, über die Janas zu schreiben, den sardischen Sagengestalten, die mich teilweise sehr an die Saligen erinnern, verließ mich. Aber keine Sorge, von den Janas erzähle ich euch gerne ein anderes Mal! Spätestens, wenn ich das nächste Mal wieder in Sardinien bin.

aus dem Buch von “i popoli del mare” von Leonardo Melis

Derweilen erzähle ich euch heute von der Göttin Danu, die ja auch in der Geschichtenerzählerin eine wichtige Rolle spielt.

Wie es dazu kam: Vorige Woche spazierte ich in die Buchhandlung von Pula hinein, wo Tonio, mein Idol unter den Buchhändlern, mich mit leuchtenden Augen begrüßte. Er habe endlich die neu gedruckte Ausgabe von „I popoli del mare“ von Leonardo Melis da für mich und außerdem noch einen tollen Roman einer sardischen Schriftstellerin, die von ihrer Urgroßmutter ein altes Wissen geerbt habe… Dann fand ich selbst noch ein unscheinbares Büchlein, einen Roman, ebenfalls von einem Sarden. Und seitdem lese ich alle drei zugleich.

Die Göttin Danu fällt mir nicht umsonst in Sardinien ein, denn, so erzählt auch das Buch von Melis, kommt der Name der Insel von den sogenannten Sherdana, den „popoli del mare“ („Völkern des Meeres). Und diese haben ihren Namen von der Göttin Danu. Könnt ihr euch denken, wohin ich heute mit diesem Beitrag hinkommen möchte?

Wenn nicht, kein Problem, ich verrate es euch ja: 

Um 2300-2000 v.u.Z. schien nach 300 Jahren Hungersnot in Mesopotamien eine Flüchtlingswelle ausgebrochen zu sein. Auf ihrem Weg hinterließen diese Menschen ihre Spuren in den Namen von Flüssen und Ländern… Die einen zogen nach Norden. So wird heute vermutet, dass sie an der Donau und Dnepr vorbeigezogen sind, sich unter anderem in Dänemark niederließen und als die Túatha Dé Dannan nach Irland kamen, wo zu Beltane, der dieses Jahr auf den 1. Mai fiel, noch immer gefeiert wird, dass sie dort gelandet sind. Und in allen diesen Namen ist die Göttin enthalten…  

Die anderen hingegen nach Süden, über Syrien, Sizilien und eben auch nach Sardinien.

aus dem Buch von “i popoli del mare” von Leonardo Melis

Die Sherdana verehrten eine weibliche Gottheit. Einige vermuten, dass sie mit der afrikanischen schwarzen Muttergottheit zu tun hat, wieder andere, dass es sich dabei um Dana, der mütterlichen Erdgöttin und Urmutter des Vorderen Orients handelt. Manche behaupten, dass es sich um eine proto-indoeuropäische Gottheit handelt und „Danu“ zu deutsch „fließendes Wasser“ bedeutet. So oder so, die Anbetung der Göttin Danu hing in Sardinien stark mit dem Wasser zusammen, wie auch viele Brunnenheiligtümer heute noch beweisen.

Danu ist aber auch die altirische Muttergöttin der Túatha Dé Dannan aus der überlieferten keltischen Mythologie Irlands. Sie waren die sagenhaften Völker der Göttin Danu und hatten auf dem Weg nach Irland Magie erlernt. Und sie sind die, die schlussendlich unter die Hügel verschwunden sind und dort als Sìdhe weiterlebten…  

Jetzt wisst ihr aber, worauf ich hinaus wollte, nicht wahr? Auf die starke Verbindung von Irland und Sardinien – beide unter der Obhut der Göttin Danu 😉

Ich liebe es, wenn ich solche Verbindungen herausbekomme…

Eine Antwort auf Die Göttin Danu

  • Mir schwirrt der Kopf! Nach deiner anstrengenden Rückreise so viele Informationen über die Göttin Danu. Und dann noch deine Schlussfolgerungen, das macht Laune, auf eigene Faust zu recherchieren. Oder abzuwarten, was du noch alles aus den Büchern herausfindest
    Bis dahin halte ich mich an die “Dienerin Danus” in deiner “Geschichtenerzählerin”. Und zwar an alle beide. Denn die fand ich von Anfang an toll!

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