Ostern auf Italienisch – und nicht nur

März 28, 2018

Ostern auf Italienisch 2018

Ostern steht vor der Tür und dieses Mal wollte mir ein „Senf zum Mittwoch“ nicht so leicht einfallen… Schlussendlich habe ich mir ein kleines Gespräch in der Wohngemeinschaft in London zwischen Kinnon und Mena, den Protagonisten der Geschichtenerzählerin, sowie ihren Freunden ausgedacht. Mit dieser wünsche ich allen hier, die meinen Senf ab und zu lesen, Frohe Ostern!

„Wir verbringen Ostern bei Liams Familie“, verkündet Linnéa, als sie ihren Kaffee einschüttet. Sie strahlt Liam an, der ihr sanft, aber abwesend zulächelt, mit der Zeitung in der Hand. Wie üblich ist sie guter Laune am Morgen. Die teilt sie mit Kinnon, dem Frühaufsteher. Ich bin es weniger. Dementsprechend ist meine Antwort.  

„Mhm.“

Kinnon grinst mich wissend an und schüttet mir Kaffee nach.

„Wie ist das denn bei euch zu Ostern?“, fragt die Schwedin mit ungebremster Freude. „Ziehen bei euch auch die Kinder am Gründonnerstag von Haus zu Haus als Hexen verkleidet und sammeln Süßigkeiten ein?“

Hexen? Zu Ostern? Das weckt so langsam mein Interesse.

Menas Familie sucht zu Ostern bemalte Ostereier im Garten

Menas Familie sucht zu Ostern bemalte Ostereier im Garten

„Nein, du verwechselst das mit Halloween“, meint Liam trocken, wohl weil auch er beim Frühstück am liebsten Zeitung liest und seine Ruhe hat.

Linnéa schlägt ihm spielerisch auf den Arm. „Natürlich verwechsle ich das nicht. Bei uns in Schweden ist es Brauch, dass die Kinder das tun, weil die Osterhexen auf ihrem Besen unterwegs sind an diesem Tag. Darum zünden wir auch in der Osternacht die Feuer an, damit wir sie fern halten und sie am Ostersonntag ihre Rückreise antreten.“

„Das finde ich interessant“, werfe ich ein, bevor Liam sie angrinst.

„Nun, mit Hexen können wir in Schottland nicht dienen, aber Osterfeuer wirst du genug erleben. Die machen wir auch.“

Linnéa klatscht begeistert in die Hände, während Liam grinsend den Kopf schüttelt und wieder in die Zeitung hinein schaut und Kayla bei der Tür herein kommt. Sie sieht Linnéa stirnrunzelnd an und setzt sich an den Tisch. Wortlos schenke ich ihr einen Kaffee ein. So viel Heiterkeit am Morgen macht nicht nur mir zu schaffen…

„Was macht ihr in Irland zu Ostern?“, fragt die Schwedin Kinnon, den diese Morgenszene natürlich belustigt.

„Wir werden dieses Jahr zu Mena nach Südtirol fahren, aber von Osterhexen oder Osterfeuern weiß ich nichts. Wie üblich essen wir gerne an diesem Feiertag und an mancherorts werden Heringe zu Begräbnis getragen…“

Kayla verschluckt sich am Kaffee und bekommt einen Hustenanfall. Liam schlägt ihr auf den Rücken und ich gebe ihr mein Glas Wasser, das ich am Morgen zu meinem Kaffee unbedingt dazu brauche.  

„Wieso denn das?“, fragt Linnéa.

Nachdem sich Kayla wieder beruhigt hat, fährt Kinnon fort. „Als Zeichen dafür, dass die Fastenzeit beendet ist, nehme ich an. Heringe waren oft die Hauptmahlzeit. Wahrscheinlich ist es von denen eingeführt worden, die ihn nicht mehr sehen konnten nach dieser Zeit.“

Linnéa stimmt in sein Lachen ein. „Und bei dir, Kayla?“

Die Walliserin, die sich gerade vom Hustenanfall erholt hat, genehmigt sich noch einen Schluck Wasser.

Die großen Schokolade-Eier sind Tradition in Italien

Die großen Schokolade-Eier sind Tradition in Italien

„Ich bleibe in London.“

„Ja, aber wie feiert ihr Ostern bei dir daheim?“

„Linnéa, ich bin noch nicht wach. Und mir ist noch vom Heringsbegräbnis schlecht.“

„Schade.“ Große kornblumenblaue Augen, die einen enttäuscht anblicken. Linnéa kann mit ihrem Blick Steine erweichen – und wie es scheint auch Morgenmuffel.

„Na gut. Ostern ist bei uns eine große Sache. Karfreitag beginnen die Ferien und Ostersonntag gibt es viele Prozessionen. Ich bleibe jedoch – wie gesagt – in London, weil ich mich auf eine Prüfung vorbereiten muss.“

„Oh, okay… Und was erwartet Kinnon bei dir Zuhause, Mena?“

Ich habe schon darauf gewartet, in die Zange genommen zu werden. Wenn Linnéa einmal auf einem Trip ist, dann lässt sie nicht locker. Außerdem kann ich sie verstehen. Wir studieren ja beide nicht umsonst Ethnologie. Diese Zusammenschau an Osterbräuchen am Frühstückstisch hat was, das muss ich zugeben.

„Wir werden bunte Ostereier im Garten suchen wie jedes Jahr. Zwar machen das bei uns in erster Linie die Kinder, aber für uns ist es ein Spaß, den wir uns auch als Erwachsene gönnen. Mama, Papa und ich suchen sie, während Oma den Osterhasen spielt und sie versteckt. Als Kind habe ich in der Karwoche immer Oma geholfen, die Ostereier einzufärben und zu bemalen.“

„Ah, wie schön!“, ruft Linnéa aus. „Das habe ich auch. Aber wir haben sie ausgeblasen und zur Dekoration des Hauses verwendet.“

Ostern_italienische Schokoladeeier_2018

Die industriell gefertigten Schokolade-Eier, die es in Italien zu Ostern gibt

„Einen Teil davon wir auch, der andere Teil sind hart gekochte Eier, die am Ostersonntag im Garten gesucht werden.“

„Ostereiersuche am Sonntag, da mache ich mit“, grinst Kinnon. „Aber hoffentlich gibt es nicht nur Eier zum Essen bei euch?“

„Nein, ein Ostermenü gekocht von Mama und Oma, keine Sorge, aber du musst Platz in deinem Magen behalten, denn wir haben auch die italienischen Osterbräuche übernommen bei uns daheim.“

„War das nicht italienisch bislang?“, fragt Kayla, die jetzt ebenfalls so langsam aufwacht.

„Nein, so feiern die deutschsprachigen Südtiroler seit je her Ostern. Wir haben die gleichen Bräuche wie in Österreich und Deutschland. Weil Oma als junge Frau in Mailand als Dienstmädchen gearbeitet hat, sind ihr auch die italienischen Osterbräuche lieb geworden.“

„Und die wären?“ Linnéas Augen leuchten wie bei einem kleinen Kind.

Gut, ich gebe zu, jetzt bin ich auch wach und begeistere mich immer mehr für das Thema.

„Normalerweise schenkt sie uns eine ,colomba‘, ein süßes Gebäck in Form einer Taube. Und als Kind bekam ich auch immer ein ,uovo di Pasqua‘, ein riesiges Schokoladenei, prächtig verpackt. Sie kennt eine Süßwarenhändlerin in Mailand, die diese noch selbst herstellt. Während in den industriell hergestellten Schokoladeneiern die Überraschung nicht selbst ausgewählt werden kann, macht diese Frau noch die Eier selbst und kann alles reintun, was man möchte. Ich habe schon kleine Spielzeuge, Schmuck und Gutscheine in diesen Eiern gefunden.“

„Das braucht aber Vorbereitungszeit! Das Schokoladenei zu bestellen, die Geschenke nach Mailand zu schicken, damit die Süßwarenfrau sie ins Ei packen kann…“ Auch Kayla ist jetzt von dieser Unterhaltung fasziniert.

„Ach, von Italien kommt der Brauch, Schokoladeneier zu verschenken!“, meint auch Liam interessiert. „Bei uns ist das erst in letzter Zeit so langsam Mode geworden.“

„Ja, und die Schokoladenhasen kommen dann wohl von Deutschland“, fügt Linnéa hinzu. „Wisst ihr was? Ich werde meine anstehende Seminararbeit über die verschiedenen Osterbräuche in Europa schreiben.“

Damit steht sie auf und läuft davon.

„Bekomme ich so ein Schokoladenei, wenn wir zu Ostern in Südtirol sind?“, fragt Kinnon hoffnungsvoll.

Der Senf zum Mittwoch

4 Antworten auf Ostern auf Italienisch – und nicht nur

  • Liebe Stella,
    ich bin begeistert! So viele verschiedene Bräuche zu Ostern, das hätte ich mir nicht gedacht! Danke für diese toll verpackte Information!
    Das Ei-pecken in Südtirol fehlt, das hat mir immer großen Spaß gemacht 😜
    Schöne Feiertage an alle!☀️💐

    • Hi Franzy, danke für Dein tolles Feedback! Und schöne Feiertage zurück 😉
      Ja, stimmt, das Eierpecken fehlt – das hätte wohl in die Geschichte nach der Suche der Ostereier hinein gehört, nicht wahr?
      Übrigens: Ich hätte da aber einen kolossalen Fehler reingehauen, dachte ich doch, dass es etwas spezifisch Südtirolerisches wäre, aber nix da, es ist weit verbreitet. Schau, was ich gefunden habe: https://de.wikipedia.org/wiki/Ostereiertitschen

  • Was für ein schöner vorösterlicher Senf! Danke Stella, dass Linnéa und Liam dabei sind. Die beiden mag ich seit der „Geschichtenrzählerin“ ganz besonders. Und wie der schwedische Wirbelwind es schafft, die verschiedenen Osterbräuche aus den anderen herauszulocken ist einfach köstlich. Jetzt haben wir in wenigen Zeilen einen schönen Überblick was an Ostern in Europa so los ist.
    Übrigens: Eiertitschen machen wir heute noch…auch wenn die Kinder längst erwachsen sind.

    • Lieber Roger,
      sorry für die Verspätung, aber mein Internet hat mich in Sardinien im Stich gelassen. So komme ich erst jetzt dazu, Dir zu schreiben. Linnéa und Liam sind auch ein Paar, das ich ins Herz geschlossen habe. Und ein bisschen Linnéa steckt in uns allen, nicht wahr? Wir gehen ja immer davon aus, dass unsere Gewohnheiten auch bei anderen so sind, aber wenn wir mal entdecken, dass dem nicht so sind, dann werden wir neugierig…
      Eiertitschen heißt ihr das, na also!
      Ich musste es dieses Mal auslassen in Sardinien, aber ansonsten wird bei uns dieser Tradition wieder eingeführt, und ob jung oder alt – alle machen mit 😉

Schreibe einen Kommentar

*