Wo kommt Stella Jante her? #11

Januar 10, 2018

Der Senf zum Mittwoch

Ich bin Südtirolerin und gehöre damit zu einer Minderheit, die oft gefragt wird: „Als was fühlst du dich denn? Als Italienerin, Österreicherin oder…?“

Oder.

Gerade angesichts der Diskussionen um die Doppelstaatsbürgerschaft Italien/Österreich gebe ich hier mal meinen Senf dazu.
Meine Staatsangehörigkeit ist Italienisch und Deutsch ist meine Muttersprache. Ich spreche einen (süd-)tirolerischen Dialekt, Hochdeutsch ist fast wie eine Fremdsprache (Spaß!), Italienisch meine Zweitsprache, und da der Staat Österreich 1918 gegründet wurde, im Jahr, als mein Land zu Italien kam, fühle ich mich auch nicht als Österreicherin, weil diesen Staat nicht mal meine Großmutter erlebt hat.
Wer hat schon etwas gegen eine Doppelstaatsbürgerschaft? Die kann man immer brauchen – und Italien soll nicht so tun, denn sie haben es auch 2006 in Gebieten Ex-Juogoslawiens gemacht. Aber wie soll das vonstatten gehen? Dass wir einen Ahnenpass vorlegen. Uiuiui, da kommen für mich schlechte Assoziationen auf. Da halte ich es schon eher mit meiner Schriftsteller-Kollegin Selma Mahlknecht, die auf Facebook meinte, dann sollten es alle Ethnien erhalten, die vor 1918 zu Österreich-Ungarn gehörten: Ungarn, Tschechen, Slowaken, Slowenen, natürlich auch Trentiner und Ukrainer, etc.

Ihr merkt es schon, wenn diese einfache Frage ist schwer zu beantworten… Das geht allen Minderheiten so. Moral von meiner Geschicht‘: Nationalität ist eine historisch gewachsene Sache und relativ…

Aber ich kann auch anders: Kaffee und Pizza gehören genauso zu meiner Kultur wie Holer (=Holundersaft) und Knödel. Bin ich in Österreich, spüre ich, wie stark mich die italienische Kultur beeinflusst hat, bin ich in Italien, fühle ich mich als „Deutsche“, wenn auch nicht als „Bundesdeutsche“ – wie ich die Bewohn_erinnen Deutschlands nenne, um sie von mir als deutschsprachige Südtirolerin zu unterscheiden. In Südtirol gibt es die Deutschen, die Ladin_erinnen und die Italien_erinnen – und die sind alle Südtirol_erinnen, um das mal klarzustellen.

meran-421809_1920Es geht aber auch anders, wenn frau sich nicht in die politischen Spielchen einfangen lässt. Also nochmals: Wo kommt Stella Jante her? Ich bin in Meran geboren, in Bozen aufgewachsen, habe jeden freien Moment meiner Kindheit in Kortsch, dem Dorf meiner Oma, verbracht, eine Zeit lang in Paris und in Annecy gelebt und bin seit 1997 in meine Geburtsstadt zurück gezogen.

Meran ist klein, aber fein – grün, mit einem mittelalterlichen Zentrum und Jugendstilgebäuden rundherum. Es ist ein historisch reiches Kur-Städtchen, das eine große Lebensqualität bietet. Aber so gerne ich auch hier lebe, so gerne bin ich auch unterwegs.

Letzthin sagte ich gerne: Ich bin Europäerin und wenn es nach mir geht, Globetrotterin… Seit Neuestem bin ich stolze Besitzerin eines Hymermobil, Baujahr 1980, in dem Uli und ich durch die Gegend gondeln. Und seitdem bin ich „Hymeranerin“. Versteht ihr? Hymer+Meranerin=Hymeranerin. 😉

Der Begriffserfindung stammt nicht von mir, sondern von Roger Burke, aber übernehme ich zu 100%. Es geht auch einfach…

hymer

Eine Antwort auf Wo kommt Stella Jante her? #11

  • Da kann ich nur verwirrt ausrufen: Oh du mein lieb‘ Heimatland! Aber welches?
    Europäerin, Globetrotterin, Hymeranerin … das hat was! Klingt so als könntest du überall zu Hause sein. Vielleicht sogar in der Anderswelt.

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