Die Geschichte, die ich liebe #10

Januar 3, 2018

Mit was für einen Blogbeitrag beginne ich 2018? Wenn auch offiziell das Datum zum neuen Jahr gewechselt hat, befinde ich mich persönlich noch mitten in den Rauhnächten und mein Neujahr beginnt erst am 6. Januar. Ich bin also noch mitten in der kontemplativen Phase…
Da stieß ich auf eine meiner Lieblingsgeschichten. Und ich hatte meinen perfekten Senf zum Mittwoch für heute. Kennt ihr die?

In einem Dorf in China, nicht ganz klein, aber auch nicht groß, lebte ein Bauer – nicht arm, aber auch nicht reich, nicht sehr alt, aber auch nicht mehr jung, der hatte ein Pferd. Und weil er der einzige Bauer im Dorf war, der ein Pferd hatte, sagten die Leute im Dorf: „Oh, so ein schönes Pferd, hat der ein Glück!“
Und der Bauer antwortete: „Wer weiß?!“

Eines Tages brach das Pferd des Bauern aus seiner Koppel aus und lief weg. Der Bauer sah es noch davongaloppieren, aber er konnte es nicht mehr einfangen. Am Abend standen die Leute des Dorfes am Zaun der leeren Koppel, manche grinsten ein bisschen schadenfreudig, und sagten: „Oh der arme Bauer, jetzt ist sein einziges Pferd weggelaufen. Jetzt hat er kein Pferd mehr, der Arme!“
Der Bauer hörte das wohl und murmelte nur: „Wer weiß?!“

Wer weiß

Ein paar Tage später, sah man morgens auf der Koppel des Bauern das schöne Pferd, wie es mit einer wilden Stute im Spiel hin und herjagte: sie war ihm aus den Bergen gefolgt. Groß war der Neid der Nachbarn, die sagten: „Oh, was hat der doch für ein Glück, der Bauer!“
Aber der Bauer sagte nur: „Wer weiß?!“

Eines schönen Tages im Sommer dann stieg der einzige Sohn des Bauer auf das Pferd, um es zu reiten. Schnell war er nicht mehr alleine, das halbe Dorf schaute zu, wie er stolz auf dem schönen Pferd ritt. „Aah, wie hat der es gut!“
Aber plötzlich schreckte das Pferd, bäumte sich auf und der Sohn, der einzige Sohn des Bauern fiel hinunter und brach sich das Bein, in viele kleine Stücke, bis zur Hüfte.
Und die Nachbarn schrien auf und sagten: „Oh, der arme Bauer: Sein einziger Sohn! Ob er jemals wieder wird richtig gehen können? So ein Pech!“
Aber der Bauer sagte nur: „Wer weiß?!“

Einige Zeit später schreckte das ganze Dorf aus dem Schlaf, als gegen Morgen ein wildes Getrappel durch die Straßen lief. Die Soldaten des Herrschers kamen in das Dorf geritten und holten alle Jungen und Männer aus dem Bett, um sie mitzunehmen in den Krieg. Der Sohn des Bauern konnte nicht mitgehen. Und so mancher saß daheim und sagte: „Was hat der für ein Glück!“
Aber der Bauer murmelte nur: „Wer weiß?!“

Ich finde diese Geschichte genial. Wenn wir es schaffen, die Erlebnisse nicht vorschnell zu verurteilen und zu bewerten, sondern sie hinzunehmen und mit einem gewissen Vertrauen davon auszugehen, dass das Leben einen das Beste will, dann kann es nur einfach und schön werden…

Mein Vorsatz 2018 lautet, das Leben noch einmal mehr wie der chinesische Bauer zu nehmen. Wer weiß, wie es sich dann entwickelt? Ich halte euch hier sicherlich auf dem Laufenden! Bleibt mir auch 2018 treu und schaut wieder vorbei!

Der Senf zum Mittwoch

3 Antworten auf Die Geschichte, die ich liebe #10

  • Eines weiß ich sicher: Auch in 2018 freue ich mich auf die Mittwoch-Senfe. Wer weiß schon, was das neue Jahr uns bringen wird, aber ich weiß, dass es gut ist, es nicht zu wissen. Stella sagte mir einmal: „Alles fügt sich …“ und deshalb bin ich überzeugt, dass das Leben schön bleibt.

  • Ja, so nehmen wir es. Wenn man keine guten Vorsätze fasst, dann kann man auch keine brechen – also mach ich es wie der Bauer und nehme was kommt. Hauptsache es ist gut und schön.

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